Leseschwäche: Schon ein kurzes Training kann sinnvoll sein

(22.07.03 -ST PAUL) Bereits nach drei Wochen Lesetraining zeigen Kinder mit einer Leseschwäche (Dyslexie) im funktionellen Magnet-Resonanz-Tomographen (fMRT) während des Lesens Aktivitätsmuster im Hirn, die denen von Kindern ohne die Schwäche gleichen. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Kinder mit einer Leseschwäche beim Lesen die gleichen Hirnareale verwenden, wie Kinder ohne die Schwäche.
 

Das berichten Wissenschaftler der University of Washington in Seattle am 22. Juli in der Zeitschrift der American Academy of Neurology (Neurology 2003; 61: 212-219).

Die an der Studie beteiligten Kinder mit Leseschwäche hatten eine durchschnittliche Intelligenz, zeigten aber eine um rund 30 Prozent verminderte Punktzahl in Lesetests. Die Kinder und eine Kontrollgruppe guter Leser gleichen Alters wurden während des Lesens im fMRT untersucht. "Die dyslektischen Kinder aktivierten während des Lesens die gleichen Hirnareale wie die Kinder ohne Leseschwäche, allerdings viel schwächer", berichtet die Studienleiterin Elizabeth Aylward.

Aber bereits nach einem dreiwöchigen Lesetraining glichen sich die Aktivitätsmuster zwischen den beiden Gruppen an. Laut Aylward müssten Menschen mit einer Leseschwäche also nicht per Training andere Regionen des Gehirns aktivieren, um die Schwäche auszugleichen, sondern könnten die üblicherweise dazu verwendeten Regionen gezielt trainieren. "Unsere Ergebnisse sind sehr ermutigend, weil sie signalisieren, dass auch kurze Trainingsphasen, wie sie zum Beispiel in Schulen möglich sind, das Lesen entscheidend verbessern könnten", so Aylward.


Leseschwäche kann auch am Ende der Grundschule noch auftreten

(23.06.2003) Erst bei anspruchsvolleren Texten stellen sich Probleme ein

Viele Kinder mit ausgeprägten Leseschwierigkeiten machen in den ersten Schuljahren noch völlig normale Lernfortschritte. Die Schüler bekommen erst Probleme, wenn die Lesetexte in der vierten oder fünften Klasse anspruchsvoller werden. Da sich die Kinder bis dahin normal entwickeln, bemerken viele Lehrer deren Probleme erst spät oder gar nicht. Das berichten amerikanische Psychologen im Journal of Educational Psychology.

Etwa ein Drittel der betroffenen Kinder bekommen ähnliche Schwierigkeiten wie Legastheniker, schreiben Hollis Scarborough von den Haskins Laboratorien in New Haven und Kollegen. Diese Schüler haben ein normales Sprachverständnis, können jedoch geschriebene Wörter nur schwer entziffern. Ein weiteres Drittel kann gut Lesen, versteht das Gelesene aber nicht. Jedes dritte Kind mit spät auftauchenden Leseproblemen lässt sich hingegen keiner dieser Gruppen zuordnen und hat beides: Schwierigkeiten beim Entziffern von Text und Verständnisschwierigkeiten. Diese Gruppe hat zudem auch häufig Probleme in anderen Fächern, etwa Mathematik.

Lehrer sollten die betroffenen Schüler nicht nur rechtzeitig erkennen, sondern auch zwischen den drei Gruppen unterscheiden, fordern die Psychologen. Schließlich bräuchten Kinder mit Legasthenie ähnlichen Problemen eine andere Förderung als Schüler mit Verständnisschwierigkeiten.

 

Mit Brain Boy gegen Legasthenie

(06.03.03) Die kindliche Schreib-Lese-Schwäche (Legastenie) beruht offenbar auf dem Unvermögen, in normaler Geschwindigkeit gesprochene Silben und Worte als getrennte Einheiten zu erkennen und wahrzunehmen.
 

Wie Uwe Tewes von der Medizinischen Hochschule Hannover jetzt an 42 Grundschülern demonstrierte, lässt sich dieser Mangel zumindest teilweise durch Hörtraining beheben. Mit dem Übungsgerät "Brain Boy" konnte Tewes die Schreib-Lese-Leistungen von Legasthenikern erheblich steigern.
Quelle: Hochschule Hannover

 

Auf einem Bein gegen Legasthenie

(19.11.02) Ein einfaches Übungsprogramm, das körperliches Gleichgewicht und Koordinationsvermögen trainiert, könnte Kindern mit Legasthenie bei der Überwindung ihrer Lese- und Rechtschreibschwäche helfen.
 

Dies haben David Reynolds von der Exeter Universität und Rod Nicholson von der Sheffield Universität in England in einer Studie ermittelt, wie das Magazin "New Scientist" im Internet berichtet.

Mittels ihrer Studie, an der 36 Legasthenikern im Alter von sieben bis zehn Jahren teilnahmen, wiesen die Wissenschaftler nach, daß bereits durch zehn Minuten tägliche Übungen - etwa Säckchen werfen oder auf einem Bein stehend handwerkliche Aufgaben lösen - die Lese- und Rechtschreibfähigkeit der Kinder "dramatisch" verbessert wurde.

 

Legastheniker sind außer Takt

(23.07.02) Legasthenie bei Kindern und Erwachsenen geht in Wirklichkeit auf Schwierigkeiten im Erkennen von Sprachrythmen zurück.

Das vermuten britische Forscher in einer Vorabpublikation des Fachblattes "Proceedings" der Amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Sie stellen damit die weit verbreitete Theorie in Frage, nach der das Unvermögen, schnell wechselnde Hörreize zu verarbeiten, Ursache der Lese- und Rechtschweibschwäche ist. Diese Schwierigkeit könnte vielmehr nur eine Konsequenz eines mangelnden Gefühls für Rhythmen sein, glauben die Wissenschaftler um Usha Goswami vom Universitäts-College in London.

Die Forscher hatten Kinder einer ganzen Reihe von Tests unterzogen und dabei beobachtet, dass Legastheniker deutlich weniger sensibel gegenüber Rhythmen sind. Sie entdeckten einen direkten Zusammenhang zwischen dem Unvermögen, Rhythmen zu erkennen, und der Lese- und Sprachfähigkeit. Ein Gefühl für Takte und Betonungen sei wichtig für das Formen von Silben und Worten, argumentieren die Wissenschaftler.

 

Hier finden Auszüge aus Fachberichten zum Thema Legasthenie

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